Bitcoin-Adressformate erklärt: Von Legacy bis Taproot
Was bedeuten die verschiedenen Bitcoin-Adressen? Warum fangen manche mit 1, andere mit 3 oder bc1q an – und was ist bc1p? Eine Erklärung für Einsteiger.
Wer zum ersten Mal Bitcoin empfangen will, sieht eine Adresse – und fragt sich vielleicht, warum die Adresse seines Freundes mit 1 anfängt, die seiner Exchange-App mit 3, und sein Ledger eine Adresse produziert, die mit bc1q beginnt. Alle sind Bitcoin-Adressen. Alle funktionieren. Aber sie sind nicht dasselbe.
In diesem Artikel erkläre ich, was hinter den verschiedenen Formaten steckt, warum sie existieren und welches du im Alltag verwenden solltest.
Warum gibt es überhaupt verschiedene Formate?
Bitcoin ist ein offenes Protokoll, das sich seit 2009 weiterentwickelt hat. Im Laufe der Zeit wurden neue Transaktionstypen eingeführt – effizienter, günstiger, privater. Weil Bitcoin rückwärtskompatibel bleibt, koexistieren alle Formate gleichzeitig im Netzwerk. Eine Adresse, die 2012 erstellt wurde, ist heute noch gültig.
Das Ergebnis: Es gibt aktuell vier gängige Adressformate. Jedes hat seinen Ursprung, seine Vor- und Nachteile.
Legacy-Adressen – Format P2PKH, beginnt mit 1
Das älteste Format. Jede Bitcoin-Adresse der ersten Generation beginnt mit einer 1, zum Beispiel:
1A1zP1eP5QGefi2DMPTfTL5SLmv7Divf Na
P2PKH steht für Pay-to-Public-Key-Hash. Die Adresse ist ein kryptographischer Fingerabdruck deines öffentlichen Schlüssels. Wer Bitcoin an diese Adresse sendet, stellt eine Bedingung: Nur wer den zugehörigen privaten Schlüssel besitzt, kann die Coins ausgeben.
Vorteil: Maximale Kompatibilität – jede Wallet, jede Exchange, jeder Service unterstützt dieses Format.
Nachteil: Transaktionen mit Legacy-Adressen sind größer (in Bytes) als modernere Alternativen. Mehr Bytes bedeutet höhere Gebühren. Außerdem bietet das Format keine Schreibfehlererkennung über eine einfache Prüfsumme hinaus – ein Tippfehler in einer Adresse kann zu einem unwiederbringlichen Verlust führen.
Wann noch relevant: Ältere Wallets, bestimmte Plattformen, oder wenn du Bitcoin aus sehr alten UTXOs ausgibst. Für neue Setups gibt es bessere Optionen.
P2SH-Adressen – beginnt mit 3
Adressen, die mit 3 beginnen, sind sogenannte Pay-to-Script-Hash-Adressen, zum Beispiel:
3J98t1WpEZ73CNmQviecrnyiWrnqRhWNLy
P2SH wurde 2012 eingeführt und ist eigentlich kein eigenes Adressformat im engeren Sinne, sondern ein Wrapper-Mechanismus. Das Grundprinzip: Statt einer einfachen Ausgabebedingung (“nur wer diesen privaten Schlüssel hat, darf ausgeben”) kann P2SH beliebig komplexe Bedingungen hinter einer einzigen Adresse verstecken. Ein Empfänger sieht nur die 3-Adresse – was technisch dahinter steckt, ist von außen nicht erkennbar.
In der Praxis wirst du 3-Adressen vor allem in zwei Kontexten begegnen:
Nested SegWit – auch Wrapped SegWit genannt (P2SH-P2WPKH): Als SegWit 2017 eingeführt wurde, war nicht sofort jede Wallet und jede Exchange damit kompatibel. Um SegWit trotzdem sofort nutzen zu können, wurde eine Übergangslösung entwickelt: SegWit wird in einen P2SH-Wrapper verpackt – daher die beiden Begriffe “Wrapped SegWit” (beschreibt den technischen Vorgang) und “Nested SegWit” (beschreibt, dass SegWit im P2SH-Format eingebettet, also verschachtelt ist). Du bekommst bereits einen Teil der Effizienzvorteile von SegWit, aber in einem Format, das auch ältere Systeme verstehen. Viele Exchanges haben diesen Typ jahrelang als Standard verwendet, was erklärt, warum 3-Adressen so weit verbreitet sind.
Multisig (P2SH-Multisig): P2SH war die erste praktische Methode, Multisignatur-Setups umzusetzen – also Wallets, bei denen mehrere private Schlüssel gemeinsam eine Transaktion autorisieren müssen, zum Beispiel 2 von 3 Schlüsseln. Die Komplexität dieser Bedingung wird im P2SH-Script versteckt; nach außen sieht es aus wie eine normale 3-Adresse. Erst beim Ausgeben der Coins wird das Script offengelegt und geprüft.
Das bedeutet: Nicht jede 3-Adresse ist Nested SegWit, und nicht jede 3-Adresse ist Multisig. Es ist dasselbe äußere Format mit unterschiedlichen technischen Inhalten – von außen nicht unterscheidbar.
Vorteil gegenüber Legacy: Günstiger bei Multisig und SegWit-Transaktionen. Ermöglicht komplexere Ausgabebedingungen.
Nachteil: Wie Legacy keine Bech32-Fehlerkorrektur. Nested SegWit ist außerdem etwas teurer als Native SegWit, weil der P2SH-Wrapper selbst Platz in der Transaktion braucht – du zahlst sozusagen für die Rückwärtskompatibilität.
Native SegWit – Format P2WPKH, beginnt mit bc1q
SegWit (Segregated Witness) war ein wichtiges Upgrade des Bitcoin-Protokolls, das im August 2017 aktiviert wurde. Native SegWit – ohne den P2SH-Wrapper – erzeugt Adressen im Bech32-Format, erkennbar am Präfix bc1q:
bc1qar0srrr7xfkvy5l643lydnw9re59gtzzwf5mdq
Das bc steht für Bitcoin, die 1 ist ein Trennzeichen, und q signalisiert den Adresstyp (P2WPKH). Der Rest ist die eigentliche Adresse.
Warum ist dieses Format besser?
Erstens sind Transaktionen kleiner. SegWit trennt die Signatur (Witness) vom Rest der Transaktion und zählt sie mit einem Rabatt. Das reduziert die effektive Transaktionsgröße und damit die Gebühren – typischerweise 30–40% günstiger als Legacy bei gleicher Transaktion.
Zweitens bietet Bech32 eine deutlich verbesserte Fehlerkorrektur. Das Format kann bestimmte Tippfehler in einer Adresse erkennen und sogar lokalisieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass eine fehlerhafte Adresse unbemerkt bleibt, ist bei Bech32 erheblich geringer als bei Base58 (dem Format, das Legacy und P2SH nutzen).
Drittens sind Bech32-Adressen nur aus Kleinbuchstaben und Ziffern aufgebaut – keine Verwechslung zwischen großem O und Null, I und kleinem l.
Nachteil: Ältere Systeme und Wallets, die vor 2017 gebaut wurden und nie aktualisiert wurden, können keine Transaktionen an bc1q-Adressen senden. In der Praxis ist das heute kaum noch ein Problem – die große Mehrheit aller Wallets und Exchanges unterstützt Native SegWit.
Native SegWit ist das Format, das ich für den Alltag empfehle. Es ist der Standard auf einem Ledger oder Trezor, und auch in Electrum sollte es als m/84'/0'/0' konfiguriert sein.
Taproot – Format P2TR, beginnt mit bc1p
Taproot wurde im November 2021 aktiviert und ist das bisher letzte größere Upgrade des Bitcoin-Protokolls. Taproot-Adressen beginnen mit bc1p im Bech32m-Format:
bc1p5d7rjq7g6rdk2yhzks9smlaqtedr4dekq08ge8ztwac72sfr9rusxg3297
Das p unterscheidet Taproot-Adressen von Native SegWit (q). Bech32m ist eine leicht verbesserte Version von Bech32 mit besserer Fehlerkorrektur.
Was bringt Taproot?
Das Kernstück von Taproot ist Schnorr-Signaturen als Ersatz für das bisherige ECDSA-Signaturverfahren. Das hat mehrere Konsequenzen:
Privatsphäre: Mit Taproot sieht eine einfache Transaktion und ein komplexes Multisig-Setup auf der Blockchain identisch aus. Bisher war erkennbar, ob jemand Multisig verwendet – was Rückschlüsse auf Nutzerverhalten erlaubt. Taproot macht diese Unterscheidung von außen unsichtbar.
Effizienz bei komplexen Skripten: Multisig-Setups mit mehreren Beteiligten werden mit Taproot effizienter und günstiger, da multiple Signaturen zu einer einzigen zusammengefasst werden können (Key Aggregation).
Zukunftsfähigkeit: Taproot ist die Basis für weitere geplante Protokoll-Upgrades, die auf Schnorr-Signaturen aufbauen.
Einschränkung: Der Vorteil von Taproot zeigt sich vor allem bei komplexen Anwendungsfällen – Multisig, Lightning, Smart Contracts auf Bitcoin. Für einfache Einzelnutzer-Wallets ist der praktische Unterschied gegenüber Native SegWit im Alltag heute noch gering. Taproot wird von den meisten modernen Wallets unterstützt, ist aber noch nicht so universell verbreitet wie Native SegWit.
Übersicht: Die vier Formate im Vergleich
| Format | Präfix | Eingeführt | Gebühren | Empfehlung |
|---|---|---|---|---|
| Legacy (P2PKH) | 1 | 2009 | Hoch | Nur wenn nötig |
| P2SH / Wrapped SegWit | 3 | 2012/2017 | Mittel | Kaum noch nötig |
| Native SegWit (P2WPKH) | bc1q | 2017 | Niedrig | Standard-Empfehlung |
| Taproot (P2TR) | bc1p | 2021 | Niedrig | Für fortgeschrittene Setups |
Kann ich an jedes Format senden?
Ja. Bitcoin-Transaktionen zwischen verschiedenen Adressformaten sind vollständig kompatibel. Du kannst von einer Legacy-Wallet an eine Taproot-Adresse senden und umgekehrt. Das Protokoll macht keinen Unterschied.
Was sich unterscheidet, ist die Gebührenstruktur auf der Sender-Seite: Wenn du von einer Legacy-Adresse sendest, zahlst du höhere Gebühren als von einer Native SegWit-Adresse – unabhängig davon, wohin du sendest. Die Gebühr hängt vom Format des Inputs ab, nicht des Outputs.
Welches Format solltest du nutzen?
Für die meisten Nutzer ist die Antwort eindeutig: Native SegWit (bc1q). Es ist der aktuelle Standard, bietet niedrige Gebühren, gute Fehlerkorrektur und wird von praktisch jedem modernen Service unterstützt.
Wenn du einen Ledger, Trezor oder eine andere aktuelle Hardware Wallet nutzt und beim Einrichten Native SegWit oder bc1q gewählt hast, bist du bereits richtig aufgestellt.
Taproot lohnt sich dann, wenn du Multisig-Setups betreibst, Lightning aktiv nutzt oder explizit auf Privatsphäre auf Chain-Ebene Wert legst. Hardware Wallet-Unterstützung für Taproot ist vorhanden, aber je nach Wallet und Software variiert die Unterstützung noch.
Legacy-Adressen wirst du vor allem dann noch begegnen, wenn du sehr alte Wallets migrierst oder Bitcoin aus frühen Jahren bewegst. Neu erstellen sollte man Legacy-Wallets nicht mehr.
Fragen zu Wallet-Setups oder Adressformaten in der Praxis? Melde dich gerne.